Wenn Hausleitungen und Armaturen zum Problem werden

Ein Beitrag zum Weltwassertag 2025

Die Trinkwasserversorger garantieren in Deutschland grundsätzlich eine hohe Trinkwasserqualität. Doch in Hausleitungen und Armaturen können auf den letzten Metern bis zum heimischen Wasserhahn Verunreinigungen durch Keime oder Schwermetalle entstehen. Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB und die AQA GmbH haben nun die Ergebnisse von Wasseranalysen aus zwei Jahrzehnten ausgewertet. Dabei konnten sie die häufigsten Ursachen für Belastungen identifizieren. Das Erfreuliche: Oft lassen sich die Verunreinigungen schon mit einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren.

 

Anlässlich des diesjährigen Weltwassertages am 22. März 2025 präsentieren das Fraunhofer IGB und die AQA GmbH zusammenfassende Ergebnisse und Erkenntnisse aus knapp zwei Jahrzehnten Wasseranalysen aus Deutschlands Wasserhähnen.

»Grundsätzlich muss Wasser gemäß Trinkwasserverordnung für den menschlichen Gebrauch frei von Krankheitserregern, genusstauglich und rein sein«, erläutert Katharina Wasmer, Gruppenleiterin Analytik am Fraunhofer IGB. »Deutschland ist in der glücklichen Lage, die Bevölkerung mit ausreichend Trinkwasser versorgen zu können, das diesem Standard entspricht. Doch ab dem Wasseranschluss des Hauses bzw. der Wohnung ans Versorgernetz sind die Nutzerinnen und Nutzer für die Qualität selbst verantwortlich. Und hier zeigen die Ergebnisse, dass die Herausforderungen über die Jahre ein ähnliches, also recht stabiles Bild zeichnen.«

Für biologische Belastungen und Verunreinigungen durch Schwermetalle im heimischen Trinkwasser gibt es oft eine einfache Erklärung. Aber die Experten des Fraunhofer IGB und der AQA GmbH kennen nicht nur die gängigsten Problemverursacher, sondern haben auch Lösungen für diese parat. Nachfolgend haben sie die häufigsten Ursachen und auch einige Maßnahmen für die Verbesserung und Sicherstellung der Wasserqualität zusammengefasst.

 

Die Ursachen

Das »Last-Mile«-Problem

Die »letzte Meile« oder »Last Mile« beschreibt das Leitungsnetz und Armaturen innerhalb eines Hauses, also ab dem Hausanschluss ans Wassernetz des Versorgers bis zum Wasserhahn. Schwermetalle wie Blei, Kupfer, Nickel oder Chrom können ins Trinkwasser gelangen, wenn das Leitungssystem oder bestimmte Bauteile im Haushalt problematische Materialien enthalten. So können in Häusern, die vor 1973 errichtet wurden, noch Bleileitungen verbaut sein. Armaturen bestehen zumeist aus Metalllegierungen, die ebenfalls Schwermetalle ins Trinkwasser abgeben können. Hier zeigen die Analyseergebnisse, dass vor allem die Schwermetalle Blei und Nickel das Leitungswasser belasten. Im Schnitt über den Beobachtungszeitraum weisen zwei Prozent der Haushalte Bleiwerte über dem Grenzwert und sechs Prozent Überschreitungen bei Nickel auf. Diese Werte haben sich im Laufe der Jahre kaum verändert und liegen mit leichten Schwankungen konstant auf dieser Höhe.

Das Hygiene-Problem

Seit 2016 untersuchen und analysieren IGB und AQA Wasserproben auch auf hygienische Bedingungen hin. Dabei zeigt sich, dass im Zeitverlauf mehr als jede zehnte entsprechend untersuchte Wasserprobe eine Überschreitung von mikrobiologischen Grenzwerten aufweist. Am häufigsten kommen coliforme Bakterien vor – aber auch alle anderen getesteten Keime wie Pseudomonas aeruginosa, E-Coli und Enterokokken finden sich im Trinkwasser. Für eine Verkeimung des Leitungssystems können unterschiedliche Faktoren verantwortlich sein und an dieser Stelle wollen einige wesentliche genannt sein:

Totleitungen

Eine Totleitung in einem Haushalt bezeichnet einen stillgelegten Leitungsteil, der keine Entnahme mehr am Ende hat, aber immer noch von Wasser durchflossen wird und damit immer noch Teil des Hausnetzes ist. In der Problemstellung ähnlich sind selten genutzte Teile der Wasserleitungen, in denen das Wasser über längere Zeit steht. So können sich im stehenden Wasser Biofilme bilden (siehe nächster Abschnitt), die einen idealen Lebensraum für sich anlagernde Keime bzw. Bakterien bieten. Diese können sich hier vermehren und so in das restliche Trinkwassersystem des Gebäudes gelangen.

Biofilme

Ein Biofilm ist eine dünne Schicht aus Mikroorganismen, die sich auf den Innenwänden von Wasserleitungen, Armaturen, Duschköpfen und anderen wasserführenden Systemen bilden kann. Biofilme können Krankheitserreger beherbergen und den Geruch sowie den Geschmack des Wassers negativ beeinträchtigen. Sie entstehen z. B. während längerer Stagnationszeiten (Verweilzeiten von Wasser in Leitungen und Armaturen) des Wassers. Längere Stagnationszeiten könnten zum Beispiel an Zweitwohnsitzen oder in Ferienwohnungen und auch bei Leerständen zustande kommen. Höhere Wassertemperaturen spielen ebenso eine Rolle wie raue Oberflächen im Inneren der Leitungen und Armaturen, die vor allem durch Alter und bauliche Eingriffe entstehen.

Perlator

Der Perlator (das Siebchen am Ende des Wasserhahns) ist besonders anfällig für Verkeimungen, da sich hier Luft und Wasser mischen, sich Ablagerungen ansammeln und die ständige Feuchtigkeit und Wärme einen idealen Nährboden für Bakterien bildet. Auch sammelt der Perlator Feststoffe, die mineralischer Herkunft sein können und eine Oberfläche haben, die an dieser Wasser-/Luftscheide wieder eine »Angriffsfläche« für Biofilme bieten kann. Das Positive: Probleme, die hier entstehen, können mit wenig Aufwand behoben werden: Perlatoren lassen sich ganz einfach abschrauben und reinigen oder austauschen.

Warmwasserführende Systeme

Warmwasserleitungen und -speicher können die Wasserqualität beeinträchtigen, weil sie ideale Bedingungen für Bakterienwachstum, Korrosion und chemische Veränderungen bieten. In den warmen, feuchten Leitungen können sich Biofilme mit Bakterien und Pilzen und vor allem Legionellen bilden, die über feine Aerosole z. B. beim Duschen in die Lungen gelangen können. Diese Biofilme sind oft resistent gegen normale Desinfektionsmethoden. Ideal wären Wassertemperaturen im gesamten System unter 25 °C und über 55 °C, was im Haushalt aber kaum zu erfüllen ist.

Die Angst vor der Wasserhärte

Ja, zu hartes Wasser belastet Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Duschköpfe, Waschmaschinen etc. mit Kalkablagerungen. So kommen in Regionen mit höherer Wasserhärte oft Enthärtungsanlagen zum Einsatz. Leider werden die Anlagen deswegen oft auf viel zu niedrige Härten eingestellt, was wieder zu neuen Problemen führen kann. Das Wasser schmeckt brackig, enthält zu viel Natrium und die Nährstoffe Kalzium und Magnesium sind kaum noch vorhanden. Was bei Mineralwasser zumeist gewünscht ist (höhere Mineralisierung), wird beim Leitungswasser leider sehr oft verbannt. Ideal wären Gesamthärten zwischen 10-12 dH° (deutsche Härtegrade).

 

Maßnahmen

 
Wasser Ablaufen lassen

Auffällig sowohl bei den Überschreitungen bei Blei und Nickel als auch bei den hygienischen Problemen ist, dass vor allem das Stagnationswasser mit Schwermetallen und Keimen belastet ist – d.h. steht das Wasser z. B. über Nacht in den Leitungen, reichert es bereits erhöhte Schwermetallkonzentrationen und erhöhte Keimbelastungen an, wogegen ein Ablaufen lassen des »ersten Schwalles« eine deutliche Verbesserung bringt und es dabei kaum noch zu Grenzwertüberschreitungen kommt. »Diese Maßnahme mag aus wassersparender Sicht nicht sinnvoll erscheinen, verbessert aber die Wasserqualität deutlich«, erklärt Stephan Bruck, Geschäftsführer der AQA GmbH. »Das Motto ist: Fließendes Wasser ist gesund, stehendes Wasser sollte man ablaufen lassen – am besten so weit, dass es sicher von den Leitungen vor dem Hausanschluss kommt. Denn bis zu diesem Punkt ist das Wasser kontrolliert und einwandfrei.« 

Leitungstausch

Sollten noch Bleileitungen im Haus verbaut sein, sind diese jedenfalls zu tauschen.

Totleitungen beseitigen

Etwaige Totleitungen identifizieren und vom Hauptstrang abkoppeln.

Wasserenthärtungsanlage regelmäßig überprüfen

Wartungs- und Serviceintervalle für die Wasserenthärtungsanlage einhalten. Wasserhärte nicht zu niedrig einstellen – optimal: 10-12 dH°.

Warmwasserleitungen

Speichertemperatur auf 60 °C einstellen, Entnahmestellen regelmäßig heiß durchspülen und entkalken.

 

Fazit

Die Probleme mit der Wasserqualität im eigenen Haushalt sind über die Jahre konstant geblieben und ein entsprechendes Nutzerverhalten für die Erhaltung der Wasserqualität ist nötig. Die Analysedaten bestätigen die Notwendigkeit eines regelmäßigen Monitorings bzw. Überprüfens von bekannten, existierenden Problemen (Schwermetalle, Hygiene) durch die Haushalte, soll aber auch dazu dienen, etwaige neue künftige Problembereiche zu identifizieren und aufzuzeigen.

Wasser ist ein Lebensmittel und kann über die »Verpackung« (Leitungen und Armaturen) Schadstoffe aufnehmen und es kann – wie andere Lebensmittel auch – verderben. Leitungswasser hat zwar kein Mindesthaltbarkeitsdatum, aber wenn es längere Zeit in den Leitungen eventuell noch bei höheren Temperaturen verweilt, kann ein unbedenklicher Genuss (zum Trinken oder Mischen von Getränken) nicht mehr empfohlen werden.